Operation Manual
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DEUTSCH
JMD:1 – Chronik und Verstärker-Geschichte
Wie bereits erwähnt, beinhaltet die JMD:1 Serie die
Sounds und Merkmale einer Auswahl von Marshall-
Verstärkern und Effektpedalen. In diesem Abschnitt folgt
eine kurze Geschichte all dieser Produkte.
1. 1959
Dieser legendäre Verstärker wurde von Mitte bis in die
späten Sechziger gebaut und verkörpert den echten Kern
des Marshall Vintage-Sounds.
Der 1959 trug wegen seiner goldenen Front aus Plexiglas
den Spitznamen ‘Plexi’. Grundlage für diesen Verstärker
war ein Wunsch von Pete Townshend von The Who. Der
suchte Jim Marshall Mitte der Sechziger auf und bat ihn,
ihm eine ‘Waffe’ zu bauen, mit der er so laut spielen
konnte, dass er die Gespräche der Zuhörer nicht mehr
verstehen würde, sollten diese die Frechheit besitzen,
während seiner Darbietung zu reden! Jim und sein Team
kamen diesem Wunsch nach und innerhalb von Wochen
war ein unverwechselbares Leitbild geboren – der 100
Watt Marshall-Stack.
Obwohl der 1959 noch lange nach den Sechzigern
produziert wurde, begann das Ende der Plexi-Ära 1969,
als für die Frontplatte gold eloxiertes Aluminium eingesetzt
wurde. Die original ‘Plexis’ sind deshalb zu extrem
seltenen und teuren Stücken der Rock-Geschichte
geworden.
2. 1974
Trotz seines legendären Status als Schöpfer des Stack,
hat Marshall auch eine Menge unumstrittener Legenden
für die Combo-Verstärkerwelt produziert. Der erste 1974
erblickte 1966 das Licht der Welt. Er wurde als
erschwinglicher Röhrenverstärker für die Masse
konstruiert und erfreute sich schon bald einer gesunden
Wertschätzung.
Dieser kompakte 18 Watt Combo war von oben
zugänglich und zusammen mit seinem 12” Lautsprecher
nicht nur gut zu transportieren, sondern er hatte auch
Durchsetzungsvermögen und Biss. Mit seinen EL84
Röhren unterschied sich der 1974 aber in Charakter und
Ton grundlegend von einem EL34 Verstärker.
Mit zwei separaten Kanälen, jeder mit zwei Eingängen für
niedrige und hohe Empfindlichkeit, gab es den 1974
original in zwei Optionen mit Reverb oder Tremolo. Der
Standard-Kanal des Amps bot nur einen Ton- und einen
Lautstärkeregler, während der zweite Kanal mit
zusätzlichen Reglern zum Einstellen des Effekts
ausgestattet war. Der 2004 wieder aufgelegte 1974 besitzt
nur die populärere Tremolo-Option und, wie auch das
Original, zusätzliche Regler zum Anpassen von
Geschwindigkeit und Intensität des Effekts. Der Re-Issue
ist wie alle wieder aufgelegten Vintage-Verstärker von
Marshall eine gewissenhafte Neuschöpfung des Originals
und besitzt sogar die gleiche Röhren-Tremoloschaltung.
Der 1974 ist gleich zwei Mal im JMD:1 vertreten. Zum
einen liefert er einen Teil des neuen Sounds für den
Crunch Vintage Mode und paart die klanglichen
Qualitäten des 1974 mit dem EQ eines 1959, zum
anderen ist er das ideale Vorbild für volle Crunchsounds
(Full), bei denen es um Sustain und die Klarheit einzelner
Noten geht. Das sind nämlich die Qualitäten, für die der
1974 auch heute noch als 1974X Re-Issue unter
besonders anspruchsvollen Gitarristen beliebt ist.
3. JCM800 2203
Der 2203 ist ganz einfach einer der wichtigsten Verstärker,
die Marshall je gebaut hat. Entstanden aus dem schon
erwähnten 100 Watt Plexi-Topteil, war er der erste, der ein
Master-Volume vorweisen konnte. Diese bahnbrechende
Eigenschaft erlaubte es dem Vorverstärker, zu
übersteuern, ohne dass der Verstärker bis zehn
aufgedreht sein musste - fetter Overdrive-Sound bei
einem Bruchteil der Lautstärke. Mitte der Siebziger war er
erstmals erhältlich, aber es dauerte noch bis 1981, bis die
Version des 2203, wie wir sie heute kennen, als Teil der
mächtigen JCM800 Serie erschien.
Dieses schnörkellose, aber extrem vielseitige einkanalige
Monster fand sofort Anklang bei der schnell wachsenden
Heavy Metal Szene, die den größten Teil der Achtziger
dominierte. Die große Klangvielfalt des 2203 erwies sich
als genau so beliebt in den Neunzigern des Brit-Pop und
Grunge und bleibt bis heute der Maßstab, an dem alle
modernen Rock-Amps gemessen werden. Der 2203 war
die Power hinter zahllosen Rock- und Metal-Legenden
und erschien zweimal als modifiziertes Signature Modell.
Er stattet den JMD:1 mit zwei Preamp-Optionen aus:
Crunch Classic liefert einen rauen, kantigen Ton, der den
Marshall Crunchsound vollendet. Der Overdrive Deep
Preamp paart den 2203 mit den Eigenschaften des
Marshall Bluesbreaker Pedals und kreiert Hot-Rod-
Sounds, genau, wie sie sein sollen.
4. The Guv’nor Distortion Pedal
Das im Jahr 1980 erschienene original Guv’nor (benannt
nach Jim Marshalls Spitznamen) wurde zu einem
Klassiker unter den Pedalen, der für seine hochwertigen
Distortion-Sounds bekannt war. Beliebt bei professionellen
wie bei semiprofessionellen und Hobby-Gitarristen
eroberte sich der Guv’nor seinen ganz speziellen Platz bei
den Distortion-Freaks unter den Gitarristen dieser Welt.
5. JMP-1
Der JMP-1 war 1992 Marshalls erster Vorstoß in die Welt
der MIDI-kontrollierten Gitarren-Pre-Amps und der erste
Super Hybrid Vorverstärker überhaupt. Es ist kein Zufall,
dass die Prinzipien des JMP-1 ihren Weg in den JMD:1
gefunden haben, wie schon der Name suggeriert. Bei ihm
handelte es sich um eine revolutionäre Rack-Einheit, die
das Beste aus analoger und digitaler MIDI-Technologie
nutzte. Der Erfolg des JMP-1 lag in seinem unglaublichen
Ton, dem die digitalen Kontrollmöglichkeiten einen neuen
Grad von Flexibilität und Vielseitigkeit hinzufügten.
Gitarristen konnten nun ihre Lieblings-Preampsounds
speichern und wieder aufrufen, indem sie die 100
eingebauten Patches nutzten. Verehrt und von seinen
Besitzern hoch geschätzt, bleibt der JMP-1 einer der
beliebtesten Rack-Vorverstärker überhaupt.
6. JCM2000 DSL100
Zu seiner Zeit lieferte der Dual Super Lead den größten
Umfang an Gain, den ein Marshall Amp jemals geboten
hatte. Die zweikanalige Dualmodus-Konstruktion des DSL
bot Gitarristen die Wahl zwischen einem Clean- oder
Crunchsound im klassischen Gain Kanal oder den zwei
Leadsounds des Ultra Gain Kanals. Diese klangliche
Vielseitigkeit wurde weiter unterstützt von den
kanalübergreifenden Deep- und Tone-Shift Möglichkeiten,
die zusätzlichen Punch und Tiefe beziehungsweise extra
Schärfe und Biss hinzufügten. Dies versetzte den DSL in
die Lage, eine riesige Bandbreite von Vollröhrensounds zu
liefern, von “Nashville Clean” bis zu modernen “scooped”
Metal Sounds. Bei dieser reinen Röhrenvielseitigkeit ist es
leicht einzusehen, dass der DSL bei vielen Weltklasse-
Künstlern immer noch hohe Wertschätzung genießt.
7. Bluesbreaker II FX Pedal
Das Bluesbreaker II führt die Philosophie des original
Marshall Bluesbreaker-Pedals noch einen Schritt weiter,
indem es mit Blues und Boost gleich zwei Betriebsarten
bietet, also quasi zwei Pedale in einem. Der Boost Mode
des Bluesbreaker II wurde mit Blick auf den Vintage-
Röhrenamp oder den Ton-Puristen geschaffen. Ideal,
wenn Du lauter sein möchtest und den Amp weiter in den
natürlichen Overdrive treiben willst, ohne den
Originalsound zu verändern.
8. Mode Four (MF350)
Der Mode Four wurde mit seinem echten Zwei-Amps-in-
Einem Design dafür konstruiert, das Beste des klassischen
und modernen Marshall Tons zu liefern. Amp1 und Amp2
besaßen separate Vorverstärkerschaltungen mit ECC83
Röhren und teilten sich die 350 Watt Endstufe. Sowohl
Amp1 als auch Amp2 unterstützen jeweils zwei
verschiedene Modi – mit Clean, Crunch, OD1 und OD2
insgesamt also vier. Die enormen Leistungsreserven des
Mode Four gaben ihm herausragende Durchschlagskraft
im Tiefbass, wobei der Ton auch bei hohen Lautstärken
immer definiert blieb – ideal für Metal und Trash.
9. JVM Serie
JVM, die Flagschiff-Serie, erschien im November 2006 und
ließ die Gitarrenwelt aufhorchen. Der JVM4 bietet vier
Vollröhrenkanäle mit je drei Modi und liefert dem Gitarristen
damit 12 einzigartige Sounds, eine ausgeklügelte
Kanalschaltungstechnologie und MIDI-Optionen und
bestätigt damit Marshalls Platz an der Spitze, wenn es um
röhrengetriebene Gitarrenverstärkung geht.
Im Januar 2008 folgte mit der JVM2-Serie die
gleichnamige zweikanalige Linie, eine gestraffte und
konzentrierte Version der vielfach preisgekrönten JVM-
Serie. Diese genießt eine so große Wertschätzung, dass
gleich drei der 16 Preamp-Optionen des JMD:1 deren
Multimode-Topologie entstammen. Die Einstellungen des
Clean Modern Preamp des JMD:1 demonstrieren den
glasklaren Ton des cleanen Kanals im unteren
Gainbereich, während der Overdrive Modern mit einem
kraftvollen, modernen Crunch aufwartet, den der rote
“moded” Crunch-Kanal des JVM4 beisteuert. Und
schließlich nutzt der Lead Modern Preamp die
Konstruktion des JVM4 OD1-Kanals für einen aggressiven,
vollen Leadsound.
10. Haze40
Der neueste in dieser Preamp Auswahl integrierte
Verstärker entstammt der Haze-Serie, die im März 2009
vorgestellt wurde. Die Reihe bietet sowohl einen 15 Watt
Ministack wie einen 40 Watt 1x 12” Combo. Mit zwei
Kanälen, Vollröhren-Signalweg und Effekten in
Studioqualität wurde der Haze40 für den Blues/Jazz-
Spieler konzipiert. Der Verstärker reagiert genau so, wie
Du es erwartest, und Deine Anschlagsdynamik und die
Regelmöglichkeiten Deiner Gitarre spielen eine große
Rolle beim Finden Deines Tons. Die Konstruktion erlaubt
es außerdem, die Effekte völlig zu umgehen und so den
begehrten Vollröhren-Signalweg zu erhalten.
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