Vorwort
III
Vorwort
Diese Ausgabe enthält in drei Bänden
sämtliche Klaviersonaten Franz Schu-
berts mit Einschluss der unvollständig
überlieferten oder unvollendeten Sona-
ten.
Für die Bände I und II standen die Ei-
genschriften Schuberts zu D 537, 575
(1. Satz: 92 Takte, Scherzo: 104 Takte,
Andante: 59 Takte, Finale: 236 Takte),
784, 850, 894, 958, 959 und 960 in Fo-
tokopien zur Verfügung. Außerdem sind
für alle Sonaten die Erstausgaben her-
angezogen worden. D 537, 568, 575,
664, 784, 958, 959 und 960 sind erst
nach Schuberts Tod zum Druck gelangt.
Abweichungen zwischen Eigenschriften
und Erstausgaben können also bei die-
sen Sonaten kaum auf den Komponis-
ten selbst zurückgehen. Eine Ausnahme
macht jedoch D 575 (siehe Bemerkun-
gen). Bei den übrigen Sonaten muss da-
mit gerechnet werden, dass Schubert
selbst bei der Drucklegung Änderungen
vorgenommen hat.
Wenn in einer Hand gleichzeitig lie-
gende Töne und melodische Bewegung
vorkommen, so soll, wie aus den Quel-
len hervorgeht, die bewegte Stimme ge-
bunden werden, auch wenn dies nicht
besonders angezeigt ist. Bei gleicher
Struktur gelten Legatobögen ebenso wie
Staccatozeichen der einen Hand auch
für die andere. Wenn Akkorde zu bin-
den sind (Legato- oder Haltebögen),
steht bei Schubert meist nur ein Bogen.
Erscheinen die gleichen Akkorde inner-
halb eines Satzes wieder, so steht der
Bogen nicht immer bei der gleichen Ak-
kordnote. Wie manchmal bei den Tän-
zen, so kommt es auch bei manchen
Sätzen der Sonaten vor, dass Auf- und
Schlusstakt nicht aufgehen, da der
Schlusstakt überzählige Werte enthält.
Es lag aber kein Grund vor, die Quellen
in diesem Punkte zu verbessern.
Im Allgemeinen ist weder in den Ei-
genschriften noch in den Erstdrucken
eine durchgängige und absichtliche
Unterscheidung der Staccato-Zeichen
Punkt und Strich (oder Keil) zu erken-
nen; erst etwa ab D 840 scheint eine
Unterscheidung beabsichtigt zu sein. In
diesen späteren Sonaten werden daher
Punkt und Strich (Keil) vorlagegetreu
wiedergegeben. In den früheren Sonaten
ist im Allgemeinen nur der Staccato-
punkt verwendet worden, und nur an
einigen wenigen Stellen, an denen der
Keil offenbar beabsichtigt ist, wurde
er aus der Vorlage übernommen. Schu-
berts verschiedene Akzentzeichen: sf, fz,
sfz, u, fz u sind den Quellen entspre-
chend beibehalten worden. Das gilt
auch für die Schreibweise der Vorschlä-
ge; sie sind nach der Praxis der Zeit als
kurze Vorschläge zu spielen. Beim Zu-
sammentreffen von Triolen mit punk-
tierten Rhythmen wird die
zweite Note der punktierten Figur ihrem
realem Wert entsprechend hinter die
dritte Triolennote gestellt. Für die Aus-
führung lässt sich keine Norm aufstellen
(vgl. Eta Harich-Schneider: Über die
Angleichung nachschlagender Sech-
zehntel an Triolen; Die Musikforschung,
XII. Jahrgang 1959, Heft 1, und Erwin
R. Jacobi: „Über die Angleichung nach-
schlagender Sechzehntel an Triolen“ –
Bemerkungen und Hinweise zum gleich-
namigen Artikel von Eta Harich-
Schneider; Die Musikforschung, XIII.
Jahrgang 1960, Heft 3. Paul Badura-
Skoda: Schubert as Written and as Per-
formed; The Musical Times, London,
December 1963). In etlichen Fällen, be-
sonders in schnelleren Tempi, können
beide Noten gleichzeitig angeschlagen
werden. Die Entscheidung muss dem
Spieler überlassen bleiben.
Köln, Sommer 1971
Paul Mies
Preface
This edition, extending to three vol-
umes, contains all of Schubert’s piano
sonatas including those that the com-
poser left unfinished or that have come
down to us as incomplete works.
For Volumes I and II, photocopies
of the autographs were available for
D 537, 575 (1. movement: 92 bars;
Scherzo: 104 bars; Andante: 59 bars;
Finale: 236 bars), 784, 850, 894, 958,
959, and 960. In addition, the first edi-
tions of all the sonatas were consulted.
D 537, 568, 575, 664, 784, 958, 959,
and 960 were not published until after
Schubert’s death. In these sonatas dis-
crepancies between the autographs and
first editions can therefore hardly be at-
tributed to the composer. However, one
exception is D 575 (see Comments). It
can be assumed that Schubert himself
made the alterations in the other sona-
tas when they were published.
When in one hand there is a melodic
figure over notes of longer value, the
melodic figure (as the sources show) is
to be played legato even when not spe-
cially indicated. Where the structure is
the same, slurs and staccato marks in
the one hand are equally valid for the
other. When chords are to be connected
(slurs or ties), Schubert generally wrote
only one sign. If the same chords recur
in the course of the movement, the slur
or tie is not always found with the same
notes of the chord. As sometimes in the
dances, the up-beat and the last bar in
several of the sonata movements also do
not counterbalance because in the last
bar the note values are excessive. How-
ever, there was no reason to correct the
sources in this respect.
As a rule, neither in the autographs
nor in the first impressions is there a
general and intentional distinction be-
tween the staccato marks (dot and dash,
or wedge). A distinction seems to have
been intended only from about D 840
onwards. In these later sonatas the dot
and dash (wedge) therefore follow the
sources faithfully. In the earlier sonatas
the dot is usually employed as staccato
mark and only in a few places, where
the wedge is obviously intended, has
this source marking been retained.
Schubert’s different accent marks: sf, fz,
sfz, u, fz u, have been retained in con-
formity with the sources. This is also
true of the notation of the appoggiatu-
ras. In accordance with the practice of